HAUS DER KUNST berlin
Ein Nutzungskonzept

Foto: Tina Born, 2008

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HAUS DER KUNST berlin

Der Regierende Bürgermeister hat im Frühjahr entschieden, das Atelierhaus am Käuzchensteig im ehemaligen Staatsatelier Arno Brekers, Hitlers Lieblingsbildhauer und Staatskünstler des Nazi-Regimes, in seiner bestehenden Form aufzulösen und das Atelierprogramm zu streichen. Stattdessen soll die landeseigene Liegenschaft der Bernhard-Heiliger-Stiftung, deren Beiratsmitglied Wowereit ist, als Privatmuseum und Stiftungssitz überlassen werden. Für den Rückbau wurden 1.2 Millionen Euro Lottomittel bewilligt. Eine jährliche Förderung von 160.000 Euro wurde aus Haushaltsmitteln zugesagt. Alle baulichen und inhaltlichen Entscheidungen behält sich die Heiliger-Stiftung vor. Diese Umwidmung des historisch brisanten Gebäudes fand ohne öffentliche Diskussion und unter Ausschluss der Kunstszene statt.

Seit den 1970er Jahren vergaben der Berliner Kultursenat und das Künstlerprogramm des DAAD 10 Ateliers, die im ehemaligen Staatsatelier Arno Breker eingerichtet worden waren. Den Ostflügel nutzte seit 1949 der Meisterschüler Arno Brekers, Bernhard Heiliger. Nach seinem Tod blieb dessen Witwe, gründete die Bernhard-Heiliger-Stiftung und versammelte in deren Beirat eine breite Riege Westberliner Kultur- und Politikprominenz.

Mittlerweile mussten die Künstlerinnen und Künstler die Ateliers räumen. Der Rückbau der Einzelateliers in Brekers Hauptatelier ist nicht aufzuhalten. Die versäumte Diskussion über die Nutzung des Hauses jedoch muss nachgeholt werden. Unabdingbar ist die Thematisierung der bisher nicht aufgearbeiteten Geschichte des Gebäudes und die damit verknüpfte Frage nach dem Verhältnis von Kunst und Macht. Bis heute hat die Funktionalisierung von Künstlerinnen und Künstlern für politische Interessen, die Dichotomie zwischen Abhängigkeit und Autonomie nichts an Aktualität verloren.

Wir fordern die neue Koalition auf, die Entscheidung über die Nutzung des ehemaligen Staatsateliers Arno Breker neu zu bedenken. Als Alternative haben die Künstler Dellbrügge & de Moll in Kooperation mit dem bbk berlin ein Nutzungskonzept entwickelt. Unter dem Titel Haus der Kunst berlin und mit dem inhaltlichen Fokus auf KUNST UND MACHT sollen im ehemaligen Staatsatelier Arno Breker Produktion und Präsentation miteinander verschränkt werden. Eine projektbezogene Nutzung soll nicht nur dem dringenden Bedarf an Atelierraum entsprechen, sondern darüber hinaus eine fehlende Plattform für künstlerischen Diskurs und kritische Auseinandersetzung schaffen. Der neue Name stellt eine direkte Verbindung mit dem Haus der Kunst München her, wo Arno Breker als Juror der Großen Deutschen Kunstausstellung wirkte. München hat in vorbildlicher Weise einen kritischen Rückbau des Haus der Kunst betrieben. In einem transparenten und emanzipatorischen Umgang mit dem Staatsatelier Arno Breker sollte Berlin nicht zurückstehen.

Dellbrügge & de Moll